DRAUßEN – Schulterverletzung – Therapie

Eigentlich wollte ich ja an dieser Stelle lieber ein Artikel über das Klettern oder Bouldern über eines der (nur bei uns nicht) zahlreichen Gebiete schreiben. Stattdessen sitze ich zu Hause mit einer dicken Orthese (Armschlinge mit integriertem Sofakissen).

Was ist passiert ? Bereits Ende Februar bin ich sehr dynamisch aus einem Boulder gerauscht. Genau diese Dynamik sorgte leider dafür , dass die Füße eher zuletzt auf dem Boden einschlugen. Vorher schlug ich noch hart mit dem Arm auf der Matte ab, was leider auch ab für die Supraspinatussehne bedeutete. Fühlte sich damals leider nur nicht so an. So konnte ich ohne erkennbare Zeichen eines Risses noch einen Urlaub in Leonidio (siehe Artikel) klettend genießen.

Im nachhinein hat sich herausgestellt, dass die Sehne bereits vorgeschädigt war und die umgebenden Muskeln in der Schulter die Funktion des Supraspinatus (einer der Muskeln in der sogenannten Rotatorenmanschette der Schulter) teilweise übernommen hatten. Dadurch hat der erstdiagnostizierende Arzt zunächst auch einen Riss im Muskel- oder Sehnenapparat für unwahrscheinlich gehalten. Nach der später richtig erstellten Diagnose folgte OP und mindestens bis Herbst Kletterpause.

Da trifft es insbesondere so einen Oldschooler und Draußenkletterer wie mich knüppelhart. Durch die doch sehr zentrale Funktion der Schulter fallen zusätzlich alle anderen Hobbys wie Radfahren und Musik machen auch weg. Auf einmal sitzt du zu Hause und kannst noch nicht mal mehr Schuhe binden, während dein gewohntes Umfeld durch diverse WhatsApp-Gruppen signalisiert, dass es von einem Training zum nächsten entschwindet. Daher erst mal raus aus fast allen Gruppen. Will gar nicht wissen, wer welche harten Boulder zieht, während mein Training aus dem langsamen Mobilisieren des Armes besteht. Allein das einarmige Schreiben eines Artikels stellt schon eine Herausforderung dar ;-)

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Mentale Kraft

Wie geht man nun, vor allem auch mental, mit seinen Verletzungen um. Dieses Thema betrifft ja nicht nur gelegentlich und inbesondere so alte Säcke wie mich , sondern scheint derzeit allgenwärtig im Bouldergeschehen zu sein. Um mich herum lauter Risse und Brüche von allen nur erdenklichen Körperteilen. Ein Phänomen, welches ich aus meiner langjährigen Praxis vom Seilklettern her nicht kannte.

Die maximalkräftigen und wohl meistens auch pausenfreien Belastungen beim (Indoor)bouldern fordern ihren Tribut. Durch die Explosion der Indoormöglichkeiten beim klettern/bouldern fällt schon lang die jahreszeitbedingte Kletterpause weg. Zudem jagt dann ein Spaßwettkampf den nächsten, und man will da ja auch immer gut dabei sein; kurz: Es wird durchtrainiert, Körpersignale ignoriert, das Plateau toleriert und der Lagerkoller wegalkoholisiert.

 

Was kann man/frau anders machen ? und wie bleibt man gesund ?

Ich bin zwar aktuell gerade in der Zwangspause, aber die ist irgendwann auch vorbei. Dann werde ich auf jedenfall meine alte Gewohnheit, jedes Jahr einen Monat Kletterpause zu machen, wieder einführen. Das habe ich in den letzten Jahren leider etwas schleifen lassen. Es hilft aber, all die kleinen Mircroverletzungen, Lagerkoller oder Plateaus los zu werden und löst dich aus dem Tunnelblick klettern oder bouldern. Der Wiedereinstieg hat dann jedesmal ein Heidenspaß gemacht.

Bouldern ist auch Kommunikation und Gruppendynamik. Leider führt gerade die Gruppendynamik dazu, selbst dann noch hart zu bouldern, wenn der Körper andere Signale gibt. Hier sollten wir alle aufmerksamer in uns hinein- und rechtzeitig aufhören.

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Zudem sollten wir uns insgesamt die allgemeinen Trainingsprinzipien wieder mehr auf die Fahne schreiben. Im Alltag fallen ja oft die banalsten Sachen unter den Tisch. Nach Streß im Büro durch den Stau in die Halle fällt Aufwärmen quasi aus, weil die Anderen ja schon seit einer Stunde im schweren Parcour performen. Geballert wird, was einem unter die Finger kommt, zum Schluß am Besten noch mal Campusboard, weil viel hilft viel. Das Abwärmen fällt dann dem Bier danach oder dem sich zu Hause auch mal wieder blicken lassen müssen zum Opfer. Dehnen und Antagonistentraining Fehlanzeige.

Ich selbst ertappe mich leider immer wieder dabei, solche “Fehler” zu machen. In der Freizeit hat man aber auch nicht immer die Lust und Kraft, so strukturiert und professionell vorzugehen, wie es eigentlich bei einem fortgeschrittenen Leistungsanspruch erforderlich wäre. Gerade beim Bouldern steht Gruppendynamik kontra individuellen Trainingserfordernissen. Diesen “Widerspruch” fällt es mir immer wieder schwer, aufzulösen. Rein trainingstechnisch könnte ich regelmäßig allein in meinem Keller verschwinden und paßgenau trainieren. Aber gerade die Gruppe und die Kommunikation beim Bouldern machen diesen Sport für mich so wertvoll.

Das Leben – ein Dilemma . Bleibt ihr auf jeden Fall gesund, findet ein vernünftiges Trainingsgebaren für Euch und versucht doch vielleicht mal. Auf- und Abwärmen, Dehnen, etc. in die allabendlichen gruppendynamischen Prozesse zu integrieren…

…..und drückt mir natürlich die Daumen, dass ich im Herbst wieder dabei sein darf.

Viele Grüße,
DerAlte