Alpilles

Manchmal bieten sich Zeitfenster an, die für den Reisezweck nicht ganz geeignet sind. Der noch nicht volljährige „Pubertier“ entschwand zum Schüleraustausch Ende Januar. DIE Gelegenheit, außerhalb der Ferien mal wegzufahren. Wo Skifahrer jauchzen würden, ist der wärmeliebende Kletterer schon am Grübeln. Nach zwei Flugreisen unmittelbar zuvor plagte mich Flugscham und ich besann mich auf den Campingbus, der um diese Jahreszeit eher nutzlos rumsteht.

Der Plan stand aber irgendwie unter keinem guten Stern. Eine Woche vor Abfahrt hat es mich inclusive Fieber richtig umgehauen. Zum 013.-AlpillesGlück nix gebucht. Dann glänzten alle potenziellen Busziele, die zuvor noch eitel Sonnenschein versprachen, mit immer bedrückenderen Wetterprognosen. Am besten sah es noch in der Gegend um Arles/ Südfrankreich aus. Also warum nicht wieder mal in ein paar Oldschool Gebiete in den Alpilles, einem Mittelgebirgszug ca 80 km vor dem Mittelmeer. Plattenkletterei sollte schon gehen nach Krankenbett.

Da die Schweizer Vignette vom Vorjahr noch bis zum 31.01. des Folgejahres gilt, wollte ich durch die Schweiz fahren. Die Franzosen schlagen bei Fahrzeugen ab 2m Höhe bei ihrer Maut doch sehr ordentlich zu. Also Winterreifen aus dem Keller und zum nahen Reifenservice. Der nächste Schlag: Drei von vier Reifen hatten einen mir und dem Servicemensch unerklärlichen Querriss, der beim Einlagern noch nicht vorhanden war. Und nirgends passende Reifen auf Lager. Also nochmals Wetter gecheckt und die zweistelligen Grade auf der gesamten Strecke als machbar mit neuen Sommerreifen erachtet. Nach einem dann doch sehr kaltem Zwischenstopp am Genfer See war ich mit ausklingender Erkältung froh über ein nettes Hotel in St. Remy de Provence. Nachdem wir den ersten, noch verregneten Tag mit einem Trip ans Meer verbrachten, ging es am nächsten Tag nach Orgon. Hier haben an der Mur du trois, Mur du quatre und dann der Mur du six Generationen von Kletterern ihre ersten Plattenmeter in südfranzösischer Sonne absolviert. Bei
knapp zweistelligen Graden (der Temperatur!) hoben die doch schon glatten Tritte und Griffe besser als erwartet.

015.-AlpillesAm nächsten Tag war Mouries geplant, da die Sonne jedoch eher weiter westlich lockte, switchten wir spontan auf das früher als Fontvieille bekannte Gebiet um. Mittlerweile hat die Gemeinde Fontvieille die auf ihrem Gebiet liegenden Felsen gesperrt. Die auf der anderen Talseite des Vallon de la Leque liegenden Felsen auf dem Gemeindegebiet Tarascon können aber nach wie vor beklettert werden. Hier geht es am Kalksandstein in teilweise bizarren Formen auch mal steiler zur Sache. Unklar war die Parkplatzsituation. Laut Infos im Netz parkt man an der Hauptstraße außerhalb des Vallon und läuft hinein. Wir fanden dann allerdings einen recht großen Parkplatz kurz vorm Gebiet. Also am besten vorher neu informieren und im Zweifel laufen ! 

Am Tag 3 ging es aber dann nach Mouriès bei bestem Sonnenschein auf die Südseite. Auch hier019.-Alpilles
gewinnt nur, wer Platten klettern kann. Für den letzten Tag wollten wir mal was Neues sehen und wir fuhren nach Eyguières. Da bei Ankunft der Fels noch etwas im Schatten lag, zogen wir im Ort zunächst den obligatorischen Einkauf liebgewonnener französischer Produkte vor. Dann ging es aber an den Fels, der rechts durchaus etwas steiler ist, im linken Bereich aber wieder die üblichen Platten aufweist. Die Gebiete in den Alpilles sind nix für Hardcorejünger (Ausnahme Orgon Canal), sondern eher für gemäßigte Kletterer, die gut abgesicherte Platten und Wandkletterei mögen. Hier gibt es viele leichte Touren und viele Gebiete haben kindergeeignete Bereiche. Der Kletterführer „Escalade Les Alpilles“ ist zwar aus 2010, aber viel hat sich seitdem nicht mehr getan, so dass man insgesamt ein ausreichend umfassendes Werk für die Gegend hat. In St. Rémy gibt es auch noch weitere lohnende Gebiete, die aber eher bei wärmeren Temperaturen aufgesucht werden sollten. Ein Wort vielleicht noch zu den Bewertungen. Wer keine Oldschool Bewertungen kennt, bekommt hier sehr deutliche Dämpfer. Beim Vergleich meines alten Kletterführers aus 1995 zu dem aus 2010 wurde schon fast jede Route einen ganzen Grad aufgewertet. Trotzdem waren bei meiner Netzrecherche die Foren voll von Menschen,die sich über die immer noch harten Bewertungen aufgeregt haben.

So what, die Alpilles sind trotz allem ein lohnendes Ziel, zumindest außerhalb der Saison trafen wir nicht einmal auf andere Kletterer. Ich denke, im Sommer ist hier viel los und die Gebiete sind in der Zone rouge, im Sommer können sie wegen Waldbrandgefahr gesperrt werden.

Ich komme zurück aus dem Kletterurlaub, bin voll glücklich mit vielen Klettermetern, werde aber wohl in Plastiküberhängen back in Germany furchtbar abloosen ;-).

Grüße,

derAlte