Faszination Klettern – Interview Pascal

Bouldern und Klettern ist zum Massenphänomen geworden. Immer mehr Menschen begeistern sich, wie ich finde zu Recht für den Sport. Die Schwelle mit dem Klettern und / oder Bouldern zu beginnen wird, dank der neuen Hallen, immer niedriger. War die Kletterhalle früher noch ein dunkler Ort, sind sie heute hell, freundlich und ein Treffpunkt um gemeinsame Zeit zu verbringen. Doch weshalb steigt die Faszination für den Sport? Was bewegt Sportler dazu, mit dem Training zu beginnen?

Ich möchte diesem Phänomen etwas näher kommen. Vom Spontanen bis Ambitionierten soll jeder zu Wort kommen.


Name

Pascal

Wie und wann bist du zum Klettern gekommen ?

Da muss ich etwas weiter ausholen. Ich komme zwar ursprünglich aus der wunderschönen und klettergeschichtlich interessanten Südpfalz. Ich bin aber mit 16 ins Ruhrgebiert gezogen.

Als Kind bin ich natürlich auch die ganzen Felsen in meiner Nähe hoch und runter geklettert, fand es aber um einiges spannender auf Bäume zu klettern.

Im Ruhrgebiet bin ich eher Sportarten wie Handball und Fußball nachgegangen und habe nicht einmal ansatzweise an Klettern als Sport oder Hobby nachgedacht.

Mit 29 hat mich ein Freund gefragt, ob ich ihn nicht einmal zum Klettern begleiten möchte. Und so bin ich zum ersten Mal in einen Gurt geschlüpft und im TopRope in der Zeche Helene (Kletterhalle in Essen) meine ersten Routen geklettert.

Spielte Bouldern gleich eine Rolle oder kam das erst später ?

Als ich anfing gab es in Essen schon eine vergleichsweise kleine, aber im Nachhinein betrachtet, extrem gute Boulderhalle, das Citymonkey.

Nach ungefähr 20 Mal Seilklettern, wir sind auch direkt in den umliegenden Steinbrüchen gewesen, haben wir probiert zu bouldern.

Tatsächlich hat uns das Bouldern extrem gut gefallen. Hatte etwas von einem Abenteuerspielplatz.

Was macht Klettern und / oder Bouldern für dich aus ?

Das ist eine komplexere Frage als man auf den ersten Blick meinen mag.

Das ist schon recht vielschichtig. Da ich tatsächlich die meisten Spielarten des Kletterns (Sportklettern, Trad, Bouldern, Eisklettern, Alpines Sportklettern und traditionelles Alpinklettern ) schon ausprobiert habe, muss ich einen großen Bogen spannen.

Beim Bouldern und Klettern stehen in der Halle in erster Linie das Training aber auch das treffen von Freunden im Vordergrund. Mit dem Hallenklettern verbinde ich persönlich keinen Lifestyle oder sonstige esoterischen Anwandlungen.

Beim Alpinklettern, Tradklettern und Eisklettern steht für mich eher das Abenteuer im Vordergrund, welches man, und das ist wichtig, mit seinem Kletterpartner und am besten Freund erlebt. Und hier kommen tatsächlich viele weitere Aspekte zusammen.

Man ist Draußen, übernachtet auch meist im freien. Reduziert seine Ansprüche auf ein Minimum und erfreut sich an den Bergen und der Seilschaft. Für mich definitiv das schönste am Klettern

Aber auch beim Bouldern kann dieses Gefühl aufkommen. Es kann unheimlich befriedigend sein ein Problem mit Freunden gemeinsam zu entschlüsseln und sich für den anderen zu freuen endlich einen Zug geschafft zu haben.

Bist du lieber mit Seil oder Matte unterwegs ?

Indoor bouldere ich lieber. Das liegt aber vor allem an der einfachen Logistik. Man braucht nicht viel und trifft meist jemanden in der Halle.

Outdoor viel lieber am Seil. Fontainbleau ist da aber eine Ausnahme.

Aber tatsächlich gefallen mir die hohen Wände immer noch am besten. Aber hier ist die Logistik auch am umständlichsten (Zeit, Wetter, Partner, Tagesform).

Lieber drin oder draußen ?

Draußen.

Hast du Vorlieben bei Felsart, Wandneigung, Art der Kletterei/Boulderei ?

Ich habe schon Vorlieben. Sandstein hat wunderbare Formen, man klettert Linien und steigt oftmals auf dem Felskopf aus.

Aber im Grund habe ich schon tolle Touren an nicht sonderlich einladenden Felsen geklettert.

Ich kann selbst der Hafenmauer im Frankfurter Osthafen etwas abgewinnen.

Ich muss aber gestehen meine Vorlieben wechseln ein wenig mit meiner Form.

Welche sind deine Lieblingsspots ?

Die Alpen!

Zum Sportklettern fand ich die spanischen Gebiete bisher am schönsten.

Aber die schönsten Touren habe ich in der Pfalz geklettert.

Die schönsten Boulder in Fontainbleau.

Dein Favorit im Rhein Main Gebiet ?

Auch da kommt es ein wenig auf die aktuelle Form an. Lorsbach hat definitiv tolle Touren ist aber eigentlich nicht mehr sonderlich spannend.

Heubach hätte Potential aber die Stimmung am Fels ist maximal bescheiden.

Und deswegen dann doch, auch wenn es sehr sandig ist, Bessenbach.

Verfolgst Trainingsziele ? Wie oft trainierst du und wie ?

Ich verfolge aktuell keine Trainingsziel. Näheres dazu weiter unten.

Wo trifft man dich Indoor am meisten ? Warum?

Am meisten wohl in der Boulderwelt und im Dynochrom.

Warum? Beides sind gute Boulderhallen mit etwas unterschiedlichen Schwerpunkten.

Ich mache das auch oft davon abhängig wo meine Freunde aktuell lieber bouldern.

Die Boulderwelt bietet aktuell die meisten Boulder in allen Schwierigkeitgraden und auch die höchste Umschraubfrequenz an.

Das Dynochrom ist für mich persönlich die schönere Halle.

Du hattest lange eine Verletzungsauszeit. Wie bist du damit umgegangen ?

Ich habe mir in einer Phase recht intensiven Trainings eine doppelte Ringbandfraktur am rechten Mittelfinger zugezogen. Das musste leider recht umständlich operiert werden.

Nach mehr oder weniger 1,5 Jahren Pause fange ich wieder an und freue mich wieder auf einem guten Weg zu sein.

Ich war damals sehr niedergeschlagen. Klettern ist bei uns allen wahrscheinlich ein großer und wichtiger Teil des Lebens. Der ist von heute auf morgen weggebrochen.

Und die Schmerzen in den ersten Wochen haben mich zweifeln lassen, ob ich jemals wieder meinem Körper dieser Gefahr aussetzen mag. Aber ich wollte ;)

Gibst du danach wieder Vollgas beim Training ?

Ich gebe nicht mehr Vollgas. Ich trau mich schlichtweg nicht.

Das Jahrzehnt ist jung, welche Ziele hast du klettersportlich ?

Ich würde sehr gerne einige Klassiker in den Alpen klettern.

Aber wenn ich nochmal schaffen sollte richtig stark zu werden rücken vielleicht auch wieder ein paar Sportkletterrouten in den Fokus.

Ich mache das sehr davon abhängig wie ich mich fühle. Ich habe auch große Freude in Fontainbleau einen blauen Parcour komplett zu kletten.

Also mein Ziel ist es einfach nur zu klettern.