Während ja für manchen Hardcore-Boulderer Winterzeit hierzulande Hochsaison ist, bin ich da eher eine Memme und brauche Sonne mit Temperaturen deutlich oberhalb der 10 Grad. Klettern Teneriffa

Daher kam mir die Nachfrage meines alten Kletterkumpels Flo nach einem gemeinsamen Kletterurlaub sehr gelegen.  Kurzes Abklären zu Hause und an der Arbeit und schon war eine Woche freigeschaufelt.

Diskussion über das Ziel, Flugpreise checken und heraus kam Teneriffa. Teneriffa ist sicherlich keines der absoluten Sahneziele im Kletter- oder auch Boulderkosmos, aber in Kombi mit Sonne, Meer und guter Kletterei ein durchaus lohnendes Ziel.

Nachdem ich zuvor mit meiner Familie immer Ferienwohnungen gemietet hatte, wählten Flo und ich diesmal das Tenerife Climbing House als Domizil. Zum einen ist es in Arico sehr nah an den meisten Kletter- und Boulderzielen gelegen und zum anderen hofften wir –ähnlich wie in den Camps  in der Türkei – auf gesellige Abende.

Das Climbing House war irgendwie enttäuschend. Unser Zwei-Personen-Räumchen für einen m.E. zu hohen Preis war schon sehr „kuschelig“ und eher für Paare geeignet. Der Garten zeigte mit Platz für Zelte, Boulderwand, Slackline und eigenem Gemüsegarten gute Ansätze, glich aber aktuell eher noch einer Baustelle. Die nicht ganz so geräumige Küche stößt sehr schnell an seine Kapazitätsgrenzen, wenn alle zur selben Zeit Hunger haben. Wer gerne selber kochen möchte, sollte sich daher gut überlegen, wann er dies tut. Insgesamt wirkte das Haus auf Flo und mich nicht so gemütlich.

Die Besitzer sind aber sehr nett, bieten eine gute Informationsquelle für die zahlreichen neuen Gebiete und Sektoren und wer allein reist oder ohne Auto ist, findet meistens Anschluss. Zudem können auch Crashpads ausgeliehen werden. Der Transport im Flieger ist ja je nach Gesellschaft nicht ganz so billig.

Zu den einzelnen Gebieten auf der Insel gibt es ja mittlerweile genügend „googlebares“ Infomaterial und mehrere Kletterführer. Ein neuer Kletterführer soll nach Informationen der Lokals in Arbeit sein. Daher im Folgenden nur ein paar Anmerkungen zu meinen persönlichen Favoriten.

Die bekannte Schlucht oberhalb von Arico ist ja vielfach beschrieben worden und bietet viele Touren und Boulder in allen Graden und Wandneigungen. Man kann auf beiden Seiten der Schlucht klettern und so der Sonne folgen oder sie meiden. Für mich ist Arico trotz der vielen Neuerschließungen mit das Beste, was die Insel klettertechnisch zu bieten hat.

Begeistert hat mich auch das neue Gebiet Planeta zarza. Es liegt etwas unterhalb des o.g. Gebietes. Im Kletterladen neben dem Climbing House ist ein Kopiertopo gegen eine kleine Geldspende für neue Haken erhältlich. Es bietet ca. 25 Touren bis 7b+ und abwechslungsreiche schöne Kletterei.

Klettern Teneriffa (2)Toll finde ich auch das Gebiet El Rio. Im vorderen Sektor gibt es tolle Touren mit zum Teil bizarren Felsformationen, vielen Neutouren auch im leichteren Bereich bis 6b und im hinteren „Kessel“  auch harten Stoff bis 8c.

Wer lange ausdauernde Touren mag (also weghören, liebe Boulderer) findet in Guia de Isora (Guardia) gute Linien. Leider wechselt hier die Felsqualität von sehr gut zu sehr schlecht. Auch verleitet das Topo mit einigen Touren bis 6a den ein oder anderen zu einem Besuch. Diese Touren befinden sich aber am Anfang des Riegels, sind sehr kurz und unlohnend. Die stärkeren Kletterer werden weiter hinten mit tollen Linien belohnt, die zum Teil einen 80m Strick erfordern!

Hinweis für die Ticklistjünger:

Hier wartet die dankbarste Bewertung der Insel auf Euch. Während ich die Bewertung der restlichen Gebiete als normal empfand, ist sie hier doch sehr weich, zumindest für so ein Ausdauertier wie mich.

Die Gebiete im Norden der Insel werden immer wieder von vielen Kletterern gelobt. Wer seine Basis im Süden hat, fährt aber locker mal 1,5 Stunden auf die andere Seite. Da die Nordseite insbesondere im Winter auch gerne mal schlechtes Wetter hat, ist ein Blick aufs Wetterradar ratsam. Wir haben unser Zeit dann eher zum Baden genutzt.

Bei meinen vorherigen Besuchen der  Insel schaute ich mir auch das ein oder andere Bouldergebiet an. Als Kletterer, der draußen lieber mit Seil unterwegs ist, hat es mich nicht so vom Hocker gerissen. Die Sektoren haben aber für alle Schwierigkeitsstufen was zu bieten und man kann durchaus seinen Spaß haben.

Fazit

Teneriffa ist für mich der Kompromissspot schlechthin. Hier werden unterschiedlich starke Seilpartner gemeinsam glücklich, können Boulderer mit Kletterern anreisen und auch Familien haben durch zumeist guten Wandfuß  und den nahen Strand beste Voraussetzungen für einen alle selig machenden Kletterurlaub. Wer dann noch Seafood mag, kommt zumindest außerhalb der Touriorte auch kulinarisch auf seine Kosten.

Einige hilfreiche Links:

www.roxtar.es

www.tenerifeclimbinghouse.com

Grüße,

Dirk